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Volkstanz – Brücke traditionell erzählender Tanzkultur zur Gegenwart

Eine besondere, festliche Kleidung, prächtiger Kopfputz, wertvoller Familienschmuck und der Ausdruck der Lebensfreude prägen die Wahrnehmung des Volkstanzes. Volkstanz ist zunächst der übergreifende Begriff für eine Reihe überlieferter Bewegungsfolgen, welche mit traditioneller Musik, der Volksmusik, verknüpft sind. Sicherlich fällt es schwer, den Volkstanz gegenüber dem Showtanz und sogar dem Gesellschaftstanz abzugrenzen. Es gibt Überlappungen.

Ebenso wie die Volksmusik sind die Volkstänze häufig seit Jahrhunderten im Brauchtum einer Gesellschaft verankert und damit faktisch in allen kulturellen Gemeinschaften vorhanden. Sehr häufig sind Volkstänze durch kreisförmig ausgeführte, synchrone Bewegungsfolgen geprägt. Bei dieser Art des Volkstanzes spricht man vom Kreistanz. Walzer und Polka zählen zu diesen Rundtänzen. Rundtänze werden von den meisten Tänzern nur in ihrer Grundform ausgeführt. Bei Figurentänzen erfolgt die Bewegung meist zu einer Kennmelodie. Zuweilen kommt es - sofern es zu Charakter und Tempo der Musik passt - zur Integration von Figuren der entsprechenden Figurentänze in Kreistänze.

Die musikalische Begleitung der Volkstänze erfolgt häufig mittels Geige, Harmonika, Klarinette, Harfe, Flöte sowie Blechblasinstrumenten. Aber auch ungewöhnliche Instrumente wie Löffel oder Hackbrett finden dabei Verwendung. Unüblich sind Schlagzeug und Verstärker als Rhythmusinstrumente.

Zumeist erfuhren Volkstänze wenige Modifikationen. Sie sind im Hinblick auf die Bewegungsabläufe weitaus weniger festgelegt als es bei den sogenannten Standardtänzen der Fall ist. Man unterscheidet zwischen den sogenannten ''echten'' und den transformierten, d.h. ''überlieferten'', Volkstänzen. Die Übergänge zwischen beiden Tanzgruppen sind fliessend.

Während die echten Volkstänze in Musik und Beschreibung der Tanzschritte auf historischen Überlieferungen wurzeln, beruhen deren tänzerische Transformationen auf der Leistung moderner Tanzchoreographen. Sie werden auch unter dem Begriff Folkloretanz dargeboten, wobei der Tanzstil häufig durch Elemente des Balletts geprägt ist. Beispiele für choreographierte Tänze, welche aber nicht zu den traditionellen Volkstänzen zählen, sind der Vogeltanz – er ist in Wahrheit ein Partytanz – sowie der Landler – welcher aus dem Musical The Sound of Music stammt. Dagegen bilden echte Volkstänze, wie beispielsweise Polka und Mazurka, sogenannte Tanzfamilien. Als Beispiel sei die Kuckucks-Polka genannt. Sie gehört zur Tanzfamilie Polka.

Interessanterweise ist die Darbietung einer Geschichte mit dem Mittel der getanzten Bewegung für den Volkstanz typisch. Häufig geht es darin um alltägliche Ereignisse wie die Arbeit oder das Feiern. Die Ausrichtung auf alltägliche Lebenssituationen führte dazu, dass Tänze mit entsprechenden Bezeichnungen versehen wurden. Beispiele dafür sind der Brauttanz, der Kesselflickertanz und der Töpfertanz.

Weiterhin verlieh die Besonderheit der Musik ausgewählten Volkstänzen einen Namen. Jedoch wechseln diese Bezeichnungen in Abhängigkeit von der regionalen Verbreitung der jeweiligen Tänze. Darüber hinaus gibt es Tanzbezeichnungen, deren Bedeutung mit dem Tanz heute nichts Verbindendes aufweist. Ein Beispiel dafür ist der „Schwäbische Walzer“.

In der Gegenwart ist es üblich, echte Volkstänze zu speziellen Festen oder im Rahmen besonderer Gesellschaften – z.B. im Rahmen des Brauchtums – zu präsentieren.

Leider führte die Entwicklung der modernen Gesellschaft vielfach zur Verdrängung der originalen Volksmusik. Als Gründe hierfür werden die Kommerzialisierung von Volksfesten, das hohe Freizeitangebot oder auch die Popularität moderner Musikströmungen wie Hip Hop und Pop genannt. Daher bleibt das Erlernen und die Präsentation von Volkstänzen heute relativ wenigen Tanzenden vorbehalten. Dabei handelt es sich zumeist um spezielle Tanzgruppen wie Volkstanzensembles, die sich teilweise auf die Vorstellung der gebräuchlichsten Volkstanzformen, z.B. Trioletts, Figaro, Quadrillen, Kegeltänze, Zweipaartänze u.a., spezialisierten.